Office: Mindmatters in Hamburg

Der Geist ist wichtig – diese Philosophie trägt Mindmatters nicht nur im Namen. Sie zeigt sich auch in ihrem Bürodesign, das dem Denken viel Platz zur Entfaltung und Erholung bietet. Wie genau, das erklärt uns Interior Designer Thomas Huth im Interview.

Nur einen Steinwurf von der Roten Flora entfernt, sitzt Mindmatters. Hier, im pulsierenden Hamburg St. Pauli, findet agile Software-Entwicklung für Kunden wie TUI, eventim und 9flats statt. Dass dafür eine Menge Denkleistung gefordert ist, liegt auf der Hand. In einer entspannten Arbeitsatmosphäre ist das jedoch kein Problem.

Gesundes und flexibles Arbeiten stehen in diesem Büro im Fokus. Wer viel Zeit am Schreibtisch verbringt, kennt das: Der Rücken beginnt nach einiger Zeit zu schmerzen und die Konzentration zu schwinden. Um dem entgegenzuwirken, animiert die Gestaltung des 360 m² großen Büros zur Bewegung. Von ihrem Platz können die Mitarbeiter problemlos in andere Zonen wechseln, um mit Kollegen zu interagieren oder sich kurz im Ruhebereich zu erholen. Ob Sitzkissen, Stehschreibtisch oder die Meeting-Arena aus hellem Holz – das Interior bietet Abwechslung.

Ein gesundes Bürokonzept, das uns zu der Frage brachte: Wie entsteht so ein Raum? Und was hat das für einen Einfluss auf die Mitarbeiter?

Im Interview erklärt uns Interior Designer Thomas Huth seine Idee. Seit 2010 entwickelt er mit seinem Architektur-Büro PARAT außergewöhnliche Büroräume und Corporate Environments, u. a. für den Coworking-Space betahaus Hamburg. Viel Spaß!

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Tom, du hast das Büro des Hamburger Software-Entwicklers Mindmatters neu gestaltet. Angenommen, ich trete als Besucher zum ersten Mal durch die Tür. Welche Atmosphäre empfängt mich?

Der erste Eindruck des Büros ist hell und großzügig. Die Fläche ist rundum verglast, verfügt über Oberlichter und lässt den Blick frei bis zum hinteren Ende. Die Atmosphäre ist durch eine gedeckte Farbpalette warm und wohnlich. Mit dem Teppich, der Küche mit langer Tafel und dem Bibliotheksregal zitiert der Entwurf die Wohnwelt, ist jedoch klar als Büro erkennbar.

Woran erkennt man die Arbeitsqualität eines Büros?

Ein zeitgemäßes Büro sollte eine heterogene Landschaft sein, die den Mitarbeitern je nach Beschäftigung und individuellen Vorlieben unterschiedliche Arbeitsplätze bietet.

Raum und Möbel müssen die Tätigkeit unterstützen, Kommunikation oder Konzentration fördern. Dadurch zieht sich der Mitarbeiter nicht mehr den ganzen Tag in eine kleine Zelle zurück, sondern bewegt sich auf der Fläche und nutzt unterschiedliche Angebote zum Arbeiten.

Gerade die Neugestaltung eines Büros sollte die Wandlung und Entwicklung des Unternehmens widerspiegeln.

Thomas Huth

Erzähl uns von deinem kreativen Prozess. Wie bist du vorgegangen?

Das Interior Design sollte Arbeitsabläufe innerhalb des Büros unterstützen und im Raum abbilden. Aus diesem Grund möchte ich den Kunden zunächst kennenlernen, Arbeitsprozesse beobachten und daraus Anforderungen formulieren: Wie groß sind die Projektteams? Welche (technische) Ausstattung unterstützt die Vorgänge? Wie wird innerhalb des Büros kommuniziert?

Aus diesen Erkenntnissen lassen sich Zonen definieren, welche sinnvoll im Grundriss zu verorten sind. Es entstehen Bewegungsflächen, Bereiche der Interaktion und des Rückzugs zum konzentrierten Arbeiten. Den Kunden Mindmatters hatte ich bereits auf der Immobiliensuche begleitet und vor Ort beraten, ob die Flächen für das gewünschte Konzept geeignet waren.

Im nächsten Schritt reden wir über die formale Ebene, also über Materialität, Farbigkeit und Formensprache im Raum und Möbeldesign. Ist eine Corporate Identity vorhanden, an der man sich orientieren muss? Wie repräsentativ, seriös oder verspielt soll das Design wirken?

Gerade die Neugestaltung eines Büros sollte die Wandlung und Entwicklung des Unternehmens widerspiegeln. Mindmatters ist erwachsenener geworden, möchte jedoch authentisch bleiben und weiterhin einen direkten und persönlichen Umgang mit den Kunden pflegen.  Aus diesem Grund sollte das Büro einladend wirken und den Besucher in einer Arbeitsatmosphäre willkommen heißen.

Wichtig ist: Der Gestaltungsprozess ist mit dem Einzug der Firma nicht abgeschlossen. Das Geplante muss sich im Alltag beweisen. Mitarbeiter, die im Entwurf involviert waren, sind später wesentlich sensibilisierter und unterbreiten hilfreiche Optimierungsvorschläge, die man beachten sollte.

Welche Rolle spielte das Thema Flexibilität in der Gestaltung der Räume?

Flexibilität hat eine große Rolle gespielt. Wir wollten den Grundriss möglichst offen halten. Lediglich die beiden Konferenzräume und zwei Nebenzimmer sind mit festen Wänden abgetrennt.

Von diesen abgesehen behalten wir einen offenen Raum, der sich um die Küche als Kommunikationsmittelpunkt organisiert. Weitere Abtrennungen werden mit rollbaren Möbeln vorgenommen. Somit bleibt die Fläche anpassungsfähig und kann auf Mitarbeiterzuwachs und Umstrukturierung reagieren.

Parat im Eifflerwerk

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07_mindmatters_500Parat im Eifflerwerk
Das Design des Bodens ist außergewöhnlich. Was hat es damit auf sich?

Es war schnell klar, dass wir aus akustischen Gründen einen Teppichboden zu verlegen hatten.  Allerdings wollte ich keine monochrome Bahnenware, sondern den Boden als Gestaltungselement in den Vordergrund rücken. Ein weiterer funktionaler Aspekt ist die spielerische Zonierung durch die unterschiedlichen Farbtöne des Belages. Sie grenzen Arbeitszonen, Laufwege und öffentliche Bereiche voneinander ab.

Das Muster basiert auf einem Sechseck, das wiederum aus 6 Tortenstücken zusammengesetzt ist. Diese Teppichfliesen gibt es in drei unterschiedlichen Materialitäten in jeweils drei Farbtönen. Es ist somit ein großes Puzzle entstanden, dessen Verlegung Zeit und Konzentration in Anspruch genommen hat.

Gesundheit am Arbeitsplatz gewinnt einen immer größeren Stellenwert. Wie bist du als Architekt damit umgegangen?

Grundsätzlich sind zahlreiche Verordnungen und Richtlinien einzuhalten, welche zum Beispiel den Platzbedarf oder das Raumklima eines Büros definieren.

Davon abgesehen sollte die Büroausstattung die späteren Nutzer unterstützen, in Bewegung zu bleiben und Haltungswechsel vorzunehmen. Eine Kombination aus Steh- und Sitzarbeitsplätzen bringt die gewünschte Spannung bzw. Entspannung. In den Pausen bringen die Hängematte auf dem Balkon, der Tischkicker im separaten Raum oder eine Runde um den Block die zusätzliche Abwechslung.

Wie haben die Mitarbeiter von Mindmatters auf das neue Büro reagiert?

Dem Feedback nach zu urteilen sind sie sehr zufrieden mit dem neuen Büro. Die früheren Räume waren dunkel und lagen unmittelbar über einem Club, der am frühen Abend regelmäßig Soundchecks durchführte.

Viele Wünsche des Teams sind in die Planung eingeflossen und der Entwurfsprozess war sehr transparent für die Mitarbeiter. Vom sogenannten Teamregal haben wir im ersten Schritt nur einen Prototypen fertigen lassen.  Nach einer Testphase haben wir die Verbesserungsvorschläge der Nutzer aufgenommen und bei der Produktion der weiteren Möbel berücksichtigt.

Tom, vielen Dank für die spannenden Einblicke in deine Arbeit!

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Konzeption & Interior Design: PARAT – Thomas Huth

Fotos: © Andreas Meichsner 

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